Ein kurzer Flug.

Submitted by Ralph Schollähn on Sun, 03/06/2016 - 20:46

Der Genf Autosalon begrüßte uns diese Woche mit schönstem Sonnenschein. Es war ja auch schon 13.00 Uhr, als wir die Messe nach knapp siebenstündiger Fahrt aus Stuttgart erreichten. Alle waren gut angezogen. Das ist in Genf so üblich. Der Salon ist klein und mit etwas Glück trifft man sich auch ohne Verabredung. Ich hatte diesmal eine längere Unterredung und so ging mein Messerundgang nach einem kurzen Spicken eigentlich erst im Nachmittag los. Bis dahin hatte ich schon Audi gesehen und ging etwas ratlos weiter, betreffend des neuen Q2, der leider keine neue Designsprache zeigte, sondern meiner Meinung nach eher wie ein zeitgemäß, eingekleideter, neuer Lada ausschaut. Ein sehr schicker natürlich.

Mein Augenmerk galt diesmal auch eher Color & Trim und da gibt es mittlerweile keine Grenzen mehr. Die Oberflächenstrukturen im Exterior und Interior wechseln sich munter ab. Peugeot ist hier sehr weit vorne unterwegs mit seinem Showcar Fractal, was vielleicht auch eher als Kunstbeitrag zu verstehen sein möchte. Auch Skoda will hier mit seinem neuen SUV Showcar mitspielen, was kristalline Dekorelemente im Innenraum kommunizieren. Plus Handyaufnahme. Das ist wieder Skoda Clever like.

Die Hersteller investieren überhaupt wieder in tolle, textile Sitzbezüge. Wie ich das liebe. Wir können uns Marken- und Segmentübergreifend auf ungewöhnliche Texturen und Materialfusionen freuen. Denn es muss ja nicht immer Leder sein. Wobei das fast überall nur noch gesteppt auftaucht. Noch vor fünf Jahren gab es diese Lederbehandlung ausschließlich bei Bentley. Heute ist das Mittelklassebestellbar. Klasse! Zu den Außenfarben: Mattes und glänzendes Grau, hier war der erste Audi TT 1996 Vorreiter, und ein im Original wunderbares, anzuschauendes Jeansblau (wieder Audi, jetzt 2016 und Lamborghini) waren meine diesjährigen Exteriordesignlack-Favoriten.

Und in der Kommunikation? Volvo. Volvo. Volvo. Also ob der ganze Genfer Autosalon um den Volvo Messestand herum gebaut war. Mein diesjähriges Messtandhighlight ungefähr genau in der Mitte der gesamten Messefläche. Eine im skandinavischen Design gehaltene Lounge empfing als Treffpunkt alle die auch mal durchatmen wollten. Dazu tolle, unaufgeregte Autos und spannende Exponate wie das Concept 26, ein Transformations-Cockpit Interior. Volvo 2016: Stilsicher in den Produkten und der Kommunikation und dabei natürlich entspannt, wie derzeit kein anderer Hersteller meiner Meinung nach. Liegt es vielleicht an Geely und der seriösen, finanziellen Kraft im Hintergrund? Kreative dürfen eben keine Geldsorgen haben.

Was war noch? Skoda in weiß mit grünen Ecken, VW in weiß mit blauen Ecken, OPEL macht auf Digital und kommunikative Aussteuerung via Licht und Music mit einem smarten GT-Showcar und Mercedes schaut aus wie immer. Das Beste oder Nichts. BMW war gar nicht richtig da. Ich glaube sogar, die haben diesmal mit einer LED Tapete ohne Kommunikation gearbeitet? MINI nicht vorhanden! Und getroffen habe ich diesmal auch nicht so viele Kollegen, ich war selber auch nicht so viel unterwegs. Ein ruhiger Salon. Und doch hat dann zum Schluß wieder einmal der VW Konzern mein persönliches Genf-Highlight gezeigt: Die Studie GTZERO aus der hauseigenen Designschmiede Italdesign enthüllte ein elegantes Shootigbrake Supersportcoupe, was uns vielleicht bald als Lamborghini vor die Nase fährt: Elegant anders gezeichnet und mit Heckfenster retrös verpackt. Toll. Will ich als Modell. Unbedingt.

Der Rest der vielfältigen Genfer Showcars schaut alle gleich aus: Irgendwie flach und mit viel skulptural gezogener, geometrischer Flächenbehandlung. Und innen dann ziemlich sicher immer etwas geschmacksfern weiterkomponiert bei den Materialien. Ich bin sehr gespannt, wie das nächstes Jahr ausschaut. Und hoffentlich wird der gestalterische Schwenk nicht so kurios, wie bei Morgan mit dem elektrischen Threewheeler, das war schon sehr Robby-Tobby-Fliwatüüt!

Guten Flug weiterhin allen, der Autodesign-Liebhaber grüßt.

Add new comment

CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.
More information?